Teil 4/11
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Die Brücke

Eine Brücke definiert den Weg zwischen Ausgangspunkt, Ziel und dem, was überbrückt werden soll. In der Scientology [45] beinhaltet dieser Begriff den Weg zwischen mehr oder weniger "Effekt" auf der einen und der angestrebten Ursächlichkeit auf der anderen Seite. Sie überbrückt die dazwischenliegenden versteckten Spielregeln und Fallen.

Mitte der 50er Jahre war Scientology als Philosophie größtenteils ausgereift. Die Gesetzmäßigkeiten von Statik, Theta, Spielen und Fallen waren bekannt und Hubbard lehrte sie in zahlreichen Vorträgen. Seit dieser Zeit feilte er an einem gangbaren Weg zu dem, was er als geistige Freiheit und auch als OT (Operating oder "operierender" Thetan) bezeichnete, einem Thetan oder Spieler, der unbeeinflußt vom Universum operieren kann. Er stellte die höchsten Ansprüche an eine solche "Brücke". Diese Technologie, die praktische Durchführung der Brücke, genannt Auditing, sollte 100% funktionieren, das heißt, sie sollte für jeden Menschen anwendbar sein.

Auditing [46] ist die Anwendung von Dianetik- und Scientologyprozessen und Verfahren durch einen trainierten Auditor, also demjenigen, der diese Verfahren erlernt hat. Es wird definiert als "die Aktion, einem Preclear eine Frage zu stellen, die er verstehen und beantworten kann, diese Frage beantwortet zu bekommen und zu bestätigen".

Clear ist ein erreichter Zustand. In frühen Büchern verglich Hubbard den menschlichen Verstand mit einer Rechenmaschine, die immer dann zu falschen Ergebnissen kommt, wenn sie mit falschen oder noch vorhandenen aber nicht mehr benötigten Zahlen operiert. Durch Auditing wird der Preclear, derjenige, der noch nicht clear ist "geklärt". Diese Person befindet sich dann in einem Zustand, in dem sie die angesammelten Bilder und Erfahrungen, auf die sie immer reagierte, über Bord geschmissen hat. Sie braucht sie nicht mehr.

Diese Person hatte große Teile ihrer Aufmerksamkeit in der Vergangenheit gebunden. Man könnte sagen, daß der größte Teil der Aufmerksamkeit dafür gebraucht wurde, negative Erfahrungen der Vergangenheit herunterzudrücken oder festzuhalten, damit sie nicht plötzlich in der Gegenwart auftauchen. Wenn man davon ausgeht, daß eine Person potentiell 100% ihrer Aufmerksamkeit zur Verfügung hat, davon jedoch ein großer Teil auf Geschehnissen der Vergangenheit liegt, ist es offensichtlich, daß diese Person nur sehr eingeschränkt in der Gegenwart lebt. Es sei hier noch mal darauf hingewiesen, daß mit Vergangenheit nicht nur eine Lebensspanne gemeint ist. Ein Clear hat somit seine Selbstbestimmung zurück und operiert in der Gegenwart. Der Begriff "Clear" bezieht sich auf die Person in ihrem persönlichen Umfeld, das heißt, auf ihre erste Dynamik.

Ein Preclear wird schrittweise an diesen Zustand herangeführt. Durch den Kommunikationskurs lernt er unter anderem zu "sein" und zu "konfrontieren", d.h. etwas so anzuschauen wie es ist, ohne davor zurückzuschrecken. Die ersten Übungen haben durchaus Parallelen zu Meditationstechniken im Zen-Buddhismus. Sie dienen dazu "in der Gegenwart" zu sein und wahrzunehmen.

Im nachfolgenden Auditing werden verschiedene Lebensbereiche des Preclears angeschaut und aufgeräumt. Diese "Aufräumaktion" wird vom Preclear selbst durchgeführt. Der Auditor leitet nur mit Fragen. Es beginnt mit dem sogenannten Life-Repair (übersetzt: Lebensreparatur) wobei die Aufmerksamkeit, die auf negativen Erfahrungen im gegenwärtigen Leben einer Person liegt, wieder freigesetzt wird und geht dann über verschiedene andere Prozesse bis hin zu "Clear". Jeder Auditingabschnitt hat ein konkret definiertes Ziel.

Ist der Zustand "Clear" erreicht, dehnt die Person ihr Bewußtsein und ihren Einflußbereich auf andere Dynamiken aus. Vor dem Clear-Zustand war die Person meist in persönlichen Problemen introvertiert. Sie wird sich nach und nach ihrer Verantwortung auf anderen Dynamiken bewußt. Sie geht nun in Etappen auf ein neues Ziel, genannt OT oder Operating Thetan zu.

Was ist dieser OT?

Operieren wird hier im Sinne von agieren oder etwas verursachen, gebraucht. Es ist idealerweise ein Spieler, der mit vollem Bewußtsein über das Spiel auf das Spielfeld zurückgekehrt ist (vergl. auch den Abschnitt "Ton-Skala"). Betrachtet man dies von unserem, das heißt vom Standpunkt eines Homo Sapiens aus, könnte man sagen, er rehabilitiert sich von einer Spielfigur zu einem Spieler.

Vom Statikstandpunkt aus könnte man sagen, daß dieses Statik sich dazu entschlossen hat, in einem Spiel mitzuspielen, das heißt, es unterwirft sich somit den übereingestimmten Spielregeln, einschließlich der damit verbundenen Barrieren. Es wäre, bildhaft gesprochen, vergleichbar mit einer Person, die zuhause sitzt und den Entschluß faßt, sich in einer Firma zu bewerben. Zuhause ist sie keinerlei Regeln unterworfen. Sie kann schlafen und aufstehen wann sie will. Wird sie angenommen, unterwirft sie sich den entsprechenden Arbeitszeiten und -aufgaben. Sie muß sich quasi einschränken und gewisse Freiheiten aufgeben, um in diesem Spiel mitzuspielen, gewinnt andererseits an "Aktion" und "Sein".

Um es nochmal zu verdeutlichen: Statik und MEST (Materie, Energie, Raum und Zeit) haben kein "Sein" im Spiel. Statik, weil es sich nicht dazu "entschlossen" hat und MEST, weil es "vergessen" hat. MEST kann auch als die tiefste Stufe von Theta bezeichnet werden. Es ist letztlich kondensiertes Theta, welches seine Individualität vollkommen verloren hat.

Das Wesen, der Thetan befindet sich also in einem Spiel. Dieses "große" Spiel besteht aus den acht Verträgen, den Dynamiken 1-8. Es sind die Dynamiken zwischen Schöpfung und Individualität.

Hubbard geht davon aus, daß ein Wesen in der Vergangenheit wesentlich größer und stärker war. Dies ist einer der Hauptunterschiede zwischen Scientology und den meisten anderen Philosophien, Religionen oder Wissenschaften. Es setzt voraus, daß das Wesen immer in einem höheren Zustand war und sich jetzt in einem niedrigeren Zustand befindet, und wir versuchen, die Fähigkeit, die er einmal hatte, wiederzugewinnen.

Man kann die "Brücke" in drei grundlegende Abschnitte unterteilen [47]:

  1. Im Bereich der Fremdbestimmung befreit sie sich von den Effekten, die ihr aufgezwungen wurden. Genauer gesagt befreit sie sich von den geistigen "Aufzeichnungen" dieser Effekte und von dem Mechanismus, diese Effekte aufzeichnen zu müssen. Es sind die Effekte, die eine Person in ihrem Wirkungsgrad einschränken. Hubbard geht davon aus, daß beispielsweise alle psychosomatischen Krankheiten die Auswirkungen solcher Aufzeichnungen sind. Er hat dies in seinem Buch "Dianetik - die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit" detailliert beschrieben. Unter dem Begriff Fremdbestimmung sind all die geistigen Auswirkungen zusammengefaßt, die beispielsweise aus Krankheit, Folter, Implants, Unfällen, resultieren. Es ist ein riesiger Sack negativer Erfahrungen die das Wesen in der Gegenwart mit sich herumschleppt. In diesem Bereich der Fremdbestimmung schmeißt die Person letztlich diesen Sack fort.

  2. Im Bereich der Selbstbestimmung wird nun - bildlich gesprochen - die Frage aufgegriffen, wieso sich jemand überhaupt einen solchen Sack zugelegt hat. Was sind die Übereinstimmungen die dazu geführt haben, diese Fremdbestimmung erst möglich zu machen? Man muß an der Kreation dieser Fremdbestimmung mitgewirkt haben, denn ohne diese Mitwirkung wäre kein Effekt wahrnehmbar.

Die Brücke ist in diverse Abschnitte unterteilt. Der erste Abschnitt umfaßt die Schritte bis zum Zustand "Clear". Darauf folgt ein Block, genannt OT I - OT III. Dieser Block löst die Person aus einer Katastrophe, welche die Erde vor geraumer Zeit heimgesucht hat.

Bis hierhin verläuft die Brücke in der Freien Zone größtenteils parallel zu der in der Scientology Kirche. Die folgenden Stufen sind jedoch unterschiedlich.

Der Abschnitt - OT IV - OT VIII - behandelt einen Aspekt, den wir den "organisierten Fall" oder auch Excalibur nennen. Excalibur deshalb, weil diese Stufe, vergleichbar mit dem Schwert, den gordischen Knoten durchtrennt. Hier werden die Ursachen beseitigt, die ein Wesen auf eine sehr niedrige Bewußtseinsstufe gebracht haben und es dort festhalten. Dieser gesamte Komplex behandelt den fremdbestimmten Fall [48].

In der Scientology Kirche spricht man von den NOTs-Stufen. NOTs steht für New Era Dianetics für OTs und umfaßt die OT-Stufen IV bis VII.

An dieser Stelle noch ein paar Anmerkungen zu den NOTs-Stufen in der Scientology Kirche:

Hubbard hat diese Stufen zusammen mit David Mayo entwickelt, als er krank war (siehe auch Kapitel III, Seite 225). Sie gelten in der Freien Zone als die schwächsten Stufen der Brücke, weil sie in einer Notsituation entwickelt wurden. Gerade Anfang der 80er Jahre hatte sich herausgestellt, daß nur wenige Personen in der Lage waren, diese Stufen abzuschließen. Bill Robertson, einer der höchsttrainierten Mitarbeiter Hubbards, sowohl auf technischem, wie auch administrativen Gebiet, wertete diese Stufen neu aus und stieß dabei auf einige Kernaussagen Hubbards, die in der Scientology Kirche offensichtlich nicht die nötige Beachtung fanden. Dieser Abschnitt wurde von ihm neu zusammengestellt und läuft in der Freien Zone unter dem Namen "Excalibur".

Viele Kritiker der Scientology werfen die Frage auf, warum denn diese OT-Stufen vertraulich sind, verbunden mit der Forderung, sie jedem zugänglich zu machen. Sagen wir es so: Jemand der keinerlei Interesse an dieser Philosophie hat, wird wahrscheinlich keinen Schaden erleiden wenn er einen Einblick in die Materie erlangt. Er wird diese Sachen höchstens als Hubbard'sche Verrücktheiten oder Science Fiction abtun. Schwierig wird es erst, wenn eine Person weit genug die Brücke hinaufgegangen ist und kurz vor der Erkenntnis steht, wie bösartig dieser Komplex des fremdbestimmten Falls angelegt ist. Als Hubbard die Stufen OT II und III erforscht hat wäre er beinahe selbst daran gestorben. Er hat dann das Herantasten an diesen Komplex so aufgebaut, daß es bei korrekter Vorgehensweise, für nachfolgende Personen ungefährlich ist. Dennoch wurden diese Stufen Ende der 60er Jahre auf einem Schiff, weit ab von der Hektik des täglichen Lebens und unter medizinischer Überwachung durchgeführt. Das waren die Pioniere. Heute ist dieser Fallaspekt fast schon ein Kinderspiel. Um jedoch einen möglichen Schaden zu vermeiden, bekommt die Person diese Stufen erst dann zu Gesicht, wenn sie reif dafür ist. Alles andere ist unverantwortlich.

Hubbard hat diese Brücke stufenweise aufgebaut. Das hat nichts mit den Stufen und Einweihungsritualen der diversen Geheimorden zu tun. Jeder, der das Interesse aufbringt, diese Brücke zu überqueren, kann das entsprechende Know-How erlangen. Jedes Wissen und jede Fertigkeit wird schrittweise erlangt. Man schafft ein solides Fundament und baut darauf auf. Überspringt man eine Stufe, stellt sich meist heraus, daß dadurch das gesamte Vorankommen verzögert oder sogar verhindert wird.

Im Komplex des selbstbestimmten Falls ergründet die Person also ihre eigene Mitwirkung an den Effekten, die sie erfährt oder erfahren hat. Wir haben es früher schon angesprochen: Eine Person soll bereit sein, alles zu erfahren. Ist sie nicht dazu bereit, baut sie sich selbst Barrieren auf, die dann letztlich in einem selbstgeschmiedeten Gefängnis resultieren. Das schließt natürlich auch das ein, was sie selbst verursacht hat - ihren Beitrag an diesem Universum. Es wird ergründet, warum sie sich selbst und andere gefangen hält - warum sie die eigenen Fähigkeiten verlor, bzw. abgelegt hat. Dieser Fallaspekt umfaßt die Stufen 9-16 und bringt als Resultat "Fallfreiheit" hervor. Das heißt, die Person ist an einem Punkt angelangt, wo sie selbst kein Auditing mehr braucht. Vielleicht ist das die Stufe, die im Buddhismus als "bodhi" bezeichnet wird. Bodhi als "Erleuchtung" oder "Erkenntnis" um die Zusammenhänge des Spiels. Bodhi als das Lösen von den zwanghaften Verstrickungen in diesem Universum. Das Erreichen dieser Fallfreiheit ist jedoch keine Aufforderung, sich in ein Nirwana oder auf einen "Statikpunkt" zurückzuziehen.

Man muß es hier noch einmal in aller Deutlichkeit sagen: Scientology an sich ist kein Ziel. Keine Religion oder Weltanschauung kann für sich selbst ein Ziel, sondern immer nur ein Hilfsmittel sein, um einem Spieler die Sichtweise auf das Spiel zu erleichtern, oder ihn möglicherweise aus den Verstrickungen zu befreien. Eine Religion oder Weltanschauung die dies nicht tut, schafft keine Lösung, sondern Abhängigkeit. Ist das angestrebte Ziel erreicht, ist man als Spieler rehabilitiert, muß man in der Lage sein, auch hier loslassen zu können, um nicht in eine neue Verstrickung oder Abhängigkeit zu geraten.

 
Nun geht es in den pandeterministischen, das heißt allbestimmten Bereich. Was heißt nun "Allbestimmung"? Soll hier ein neuer Gott geschaffen werden, der alle und alles kontrolliert? Nein. Dieser Bereich hat mit Verantwortung zu tun. Nehmen wir den familiären Bereich als Beispiel. Eine Familie hält nur zusammen, weil ein oder mehrere Bestandteile dieser Familie mehr Verantwortung übernehmen als für ihr eigenes, unmittelbares Überleben erforderlich wäre. Als Familienvater habe ich bestimmte Freiheiten, die ich als Junggeselle hatte, nicht mehr. Ich gewinne jedoch eine Dynamik, mit ihren Freuden und Leiden, dazu. Eine Familie ist größer und stärker als deren Individuen allein. Der Einflußbereich nimmt offensichtlich zu. Man könnte diesen Einflußbereich auch als Verantwortungsbereich definieren. Für was fühle ich mich verantwortlich? Vielleicht kann man einen kleinen Vorgeschmack von dem Begriff Allbestimmung bekommen, wenn man sich vorstellt wie es um unser gemeinsames Überleben als Menschheit bestellt wäre, wenn jeder von uns, etwas mehr als erwartet, Verantwortung für andere übernehmen würde.

Manchmal sind dies Kleinigkeiten. Es ist mir gerade vor Kurzem, in meinem letzten Urlaub wieder bewußt geworden. Ich war mit meiner Familie in Holland. Bei einem morgentlichen Spaziergang sah ich eine Flasche am Strand liegen. Es war gerade Ebbe. Nun, Flaschen können zerbrechen. Kinder spielen am Strand. Jedoch, es war nicht meine Flasche, die dort lag. Wessen Verantwortung war es, diese Flasche zu entfernen. Es war ja nicht gesagt, daß sie überhaupt zerbrechen würde. Mir wurde klar, daß diese Flasche ein "Potential" in sich birgt, das Potential jemanden zu verletzen. Es war unwarscheinlich, daß ein Mitglied meiner Familie, oder ich selbst, in diese Flasche treten würde. An diesem Teil des Standes waren wir noch nie. Ich versuchte zu ergründen, wer denn letztlich die Verantwortung für diese Flasche und deren Verletzungspotential hat. War es derjenige, der sie zurückgelassen hat? War es die Aufsichtsmannschaft, die den Strand säubert? Mag alles sein. Irgendwo schlich sich jedoch die Erkenntnis ein, daß die Verantwortung bei demjenigen liegt, der es sieht, also bei mir. Ich weiß nicht wie vielen Verletzungen ich in der Vergangenheit entkommen bin, weil ein anderer genau diese Verantwortung getragen hat. Die andere Erkenntnis, die damit verbunden war, betraf das Thema des "Erfahrens". Was müßte ich in dem Moment, in dem ich die Flasche nicht beseitige, bereit sein zu erfahren....? Eine interessante, kleine Studie über Ursache und Effekt. Ich müßte tatsächlich bereit sein zu erfahren, wie es sich anfühlt, wenn eine zerbrochene Flasche am Strand liegt.

Wir haben das Problem, daß das Denken vieler Menschen dort halt macht, wo scheinbar ihre eigenen Interessen angetastet werden. Verantwortung ist leider immer noch interessenabhängig. Es ist das weitverbreitete Denken "nach mir die Sintflut". Wir stehen jedoch auch vor dem Phänomen, daß scheinbar höhere Dynamiken die darunterliegenden kontrollieren und disziplinieren. Wenn eine "dritte Dynamik", sagen wir eine Firma, sich nicht um die Effekte ihre Produktion beispielsweise in Form von Luftverschmutzung kümmert, schreitet der Staat ein. Warum schreitet der Staat letztlich ein? Er hat eine Schutzfunktion den anderen Dynamiken gegenüber. Idealerweise würde der Staat zum größten Wohl der Mehrzahl der Dynamiken handeln. Hier bewahrheitet sich die Aussage, daß Justiz dann einschreitet, wenn das Individuum oder in diesem Fall eine Gruppe versagt, Ethik an sich selbst anzuwenden.

Allbestimmung ist das graduelle Ausdehnen des Verantwortungsbereiches auf alle Dynamiken. Es ist eigentlich die Erkenntnis, daß alles Leben auch ein Teil meiner selbst ist. Es sind meine Dynamiken. Es ist der Bereich, für den ich mich einmal zuständig erklärt hatte und für den ich jetzt - in vollem Bewußtsein - wieder zuständig bin. Vielleicht ist der Daseinszustand, von dem Buddha sinngemäß gesagt hat: "derjenige, der die Erleuchtung erlangt hat komme zurück, bis auch der letzte Grashalm erleuchtet ist".

Anstrengung - Gegenanstrengung

Hubbard hat 1952 [49] einen sehr interessanten Vortrag über die Betrachtung von "Anstrengung" und "Gegenanstrengung" gehalten. Als Anstrengung könnte man die gelenkte Kraft einer Dynamik in eine bestimmte Richtung betrachten und als Gegenanstrengung die Kraft, die auf diese Dynamik wirkt. Was als Gegenanstrengung betrachtet wird obliegt letztlich dieser Dynamik selbst.

Es ist eine Sache der Einstellung. Was betrachte ich als Gegenanstrengung? Ein Staat, der sich isoliert von den anderen Dynamiken betrachtet, wir sehen das in jeder Diktatur, übernimmt höchstens die Verantwortung für die integrierten Dynamiken in diesem Staat, aber auch nur solange, wie sie mit der Betrachtungsweise des Staates konform gehen. Individuen oder Gruppen, die dem entgegenwirken oder auch nur eine andere Anschauung haben, werden bekämpft und vernichtet. Offensichtlich wird alles, was nicht mit der Betrachtungsweise dieser Diktatur übereinstimmt als eine Gegenanstrengung angesehen.

Eine Gegenanstrengung kann offensichtlich nur existieren, wenn ich für den Bereich, aus dem die Gegenanstrengung kommt, keine Verantwortung übernehme. Was könnte man sich als Gegenanstrengung aussuchen?

Nehmen wir beispielsweise einen Gärtner. Er bebaut ein Stück Land. Offensichtlich ist alles, was in diesem Garten passiert eine "Anstrengung" des Gärtners. Es ist sein Garten. Er wandelt durch seine Anstrengung ein Stück Materie in Leben um, oder er kanalisiert Leben, um ein Stück des materiellen Universums zu erobern. Er wandelt alle Gegenanstrengungen im Garten in seine eigene Anstrengung um. Er könnte jetzt anfangen über die Schnecken oder über das Unkraut zu schimpfen und diese Dinge somit als Gegenanstrengung auswählen. Diese Dinge werden für ihn dann eine Belastung, wenn er nicht bereit ist auch dafür Verantwortung zu übernehmen.

Eine Tendenz ist: Je mehr ich unbewußt eine Gegenanstrengung als solche auswähle, d.h. je mehr ich etwas zwanghaft bekämpfe, desto stärker wird diese Gegenanstrengung. Es ist klar, denn ich gewähre dieser Gegenanstrengung kein eigenes "Sein". Man muß offensichtlich in dem Maße zum Effekt werden, wie man Gegenanstrengung auswählt.

Man sollte sich jedoch seine Gegenanstrengungen gezielt aussuchen. Was erwählen wir als Gegenanstrengung? Erwählen wir einen anderen Menschen als einen Gegenanstrengung? Eine andere Rasse? Erwählen wir Tiere oder überhaupt eine andere Dynamik als Gegenanstrengung? Philosophisch betrachtet bleiben wir solange in der Barbarei, wie wir dies tun.

Was wäre aber eine vernünftige Gegenanstrengung die wir erwählen könnten? Die natürliche Gegenanstrengung eines Wesens ist eigentlich das physikalische Universum selbst. Das physikalische Universum ist im grundlegenden Sinne Chaos, und Theta bringt Ausrichtung in dieses Chaos (vergl. auch "neunte Dynamik"). Wir beteiligen uns an der grundlegenden Aktion des Lebens selbst.

Woher stammt nun überhaupt diese Gegenanstrengung oder dieser Effekt, den wir als materielles Universum kennen? Hubbard [50] stellte in diesem Zusammenhang die höchst interessante Hypothese auf, daß alle Gegenanstrengung, die wir wahrnehmen können, ursprünglich eine eigene Anstrengung gewesen sein muß.

Das erste Ziel ist das Kreieren eines Effektes, das zweite Ziel ist das Erleben dieses Effektes.

Das physikalische Universum als eine Gemeinschafts-Produktion aller Spieler? Ein enormer Effekt.

Wir verlieren in dem Maße die Kontrolle über das physikalische Universum, wie wir andere Menschen als Gegenanstrengung auswählen, denn es braucht die ausgerichtete Kraft aller Menschen, um letztlich das physikalische Universum zu ordnen.

"Der Kampf Mensch gegen Mensch", so Hubbard, "ist Unrecht. Die Gesetze des physikalischen Universums einzusetzen, um den Menschen zu bekämpfen heißt, das physikalische Universum gegen den Menschen zu unterstützen."

Das physikalische Universum ist für jedes Wesen in diesem Universum zu einem Problem geworden. Ein Wesen lebt nicht nur in diesem Universum, bestehend aus eigenen Kreationen (siehe auch Abschnitt "Sechste Dynamik"), sondern es zeichnet dieses auch noch zwanghaft geistig auf. Jede Begegnung von Anstrengung und Gegenanstrengung, jede Erfahrung in diesem Universum wird zwanghaft von dem Wesen kopiert. Diese "Eisenkugel" aus Erfahrung wird als Hemmnis für das Wesen größer und größer.

Die Brücke von Fremd-, Selbst- und Pandeterminismus hilft dem Wesen, sich dieser Eisenkugel wieder zu entledigen.

Wir kommen aus einem Barbarentum, wo Menschen Menschen bekämpfen. Würde es uns gelingen, die Menschen in ihrem Denken zu vereinen - daß sie sich gegenseitig nicht mehr als Gegenanstrengung, sondern als Teil ihrer Dynamiken betrachten, könnten wir es schaffen eine Zivilisation aufzubauen, auf die wir alle stolz sein können.

Viele werden sich fragen, wann man dieses Spiel denn eigentlich verlassen kann. Nun, es hängt in erster Linie davon ab mit welcher Motivation man in dieses Spiel eingestiegen ist. Welchen Effekt wollte man in diesem Spiel erfahren? Was ist mein Einsatz in diesem Spiel?

Im Abschnitt über die Ethik-Zustände haben wir darüber gesprochen, daß man ein Spiel auf drei Zuständen verlassen kann: Im Zustand von Macht (Power), im Zustand von Zweifel und im Zustand von Verwirrung. Es ist ersichtlich, daß die ersten zwei Zustände selbstbestimmt sind und daß der Ausstieg auf "Verwirrung" eine fremdbestimmte "Entscheidung" ist. Eine Analyse des eigenen Spielverlaufes, unter Berücksichtigung der Dynamiken, ist hierbei unumgänglich.

Es ist einzusehen, daß man beispielsweise als Junggeselle, zur Familie in ihrer vollen Konsequenz, Statik ist. Ich habe keine Verantwortung, wenn niemand da ist, für den ich Verantwortung übernehmen könnte. Beginne ich eine Partnerschaft, entschließe ich mich zu sein und übernehme Verantwortung. Ich heirate, zeuge Kinder, sie machen vielleicht Schwierigkeiten, wachsen mir über den Kopf, das Verhältnis zum Partner ist zerstritten. Ich sehne mich danach wieder Junggeselle (Statik) zu sein und lasse mich scheiden. Nach einer Weile habe ich das Singleleben satt und ich beginne eine neue Partnerschaft. Was ist das für ein Kreislauf? Was ist mit den Kreationen, seien es Kinder, Schulden oder sonstige Verpflichtungen aus der vorangegangenen Partnerschaft? Entledige ich mich meiner Verantwortung indem ich aussteige? Wohin kann ich mich zurückziehen, um die Effekte der vorangegangenen Kreationen nicht mehr zu spüren? Wieviele Personen oder Institutionen muß ich davon überzeugen, keine Verantwortung mehr zu haben? Wie klein muß ich mich machen, damit das Sozial- oder Jugendamt mich in Ruhe läßt?

In der Politik ist Verantwortung gleichzusetzen mit "seinen Hut nehmen und gehen". Wenn hier etwas schiefläuft, übernimmt man - anstatt die Sache wieder in Ordnung zu bringen - "die Verantwortung", indem man geht.

Überall dort, wo ich ein Spiel ich mich so verschlechtere, daß für meinen Teil der Kreationen zu übernehmen, muß es ein anderer tun. Häuft sich die Anzahl derjenigen, die das Spiel verlassen, ohne die Verantwortung für ihren Teil zu übernehmen, wird es zu dem Grad für den Rest schwieriger.

Offensichtlich kann ich ein Spiel nur dann verlassen, wenn ich Ursache über dieses Spiel werde. Der andere Weg führt letztlich in die traurige Bewußtlosigkeit des physikalischen Universums selbst.

Im Nachfolgenden eine Zusammenstellung von Überlegungen und Untersuchungen Hubbard's über den menschlichen Geist und das materielle Universum, in dem wir uns bewegen. Sie sind als "Faktoren" bekannt. Ich persönlich glaube, daß Hubbard nichts dagegen hätte, diese Faktoren hier zu zitieren, denn es ist die kernigste Aussage über Kreationen, der Verstrickung geistiger Wesen in diesen Kreationen und dem Weg aus diesen Verstrickungen hinaus. Es ist zwar abzusehen, daß die Scientology Kirche, bzw. das RTC oder deren Publikationsabteilung mir dadurch einen Copyrightverstoß vorwerfen wird, aber ich bin der Meinung, daß sie mit einer wissenschaftlichen Formel gleichzusetzen sind und somit der Allgemeinheit zur Verfügung stehen sollten.

 

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Schach der Erde - Letzte Änderung: 26. Juni 2007 - www.freezone.de