Teil 4/0
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Kapitel IV

Man kann den Komplex von Scientology hauptsächlich in vier Bereiche gliedern:

die Philosophie,
deren technische Anwendung,
die Organisation bzw. das Management, bekannt als Scientology Kirche
und Hubbard's eigene Meinung.

Kritik gibt es hauptsächlich in Bezug auf die Organisation, sprich, die Scientology Kirche und ihr Management, wobei die philosophische Seite allgemein recht wenig bekannt ist. Verfolgt man die Medien, so ist das Wort "Scientology" mittlerweile zu einem Synonym für eine faschistische, kriminelle Organisation geworden. Besonders herausgestrichen wird hierbei der Umgang mit Kritikern und ehemaligen Mitgliedern, die potentielle Gefahr einer gesellschaftlichen Unterwanderung durch Scientologen bis hin zu einer angestrebten Weltherrschaft.

Obwohl viele Kritiker sagen "Organisation und Philosophie sind nicht zu trennen, denn sie basieren ja beide auf den Lehren Hubbards", sollte hier eine feinere Differenzierung vorgenommen werden, will man ein tieferes Verstehen dieses Gebietes erreichen.

Das gegenwärtige Kapitel soll dazu dienen, dem Leser einen Einblick in die Philosophie zu geben. Zieht man den Gesamtumfang von Hubbards Schriften in Betracht, so kann diese Abhandlung nur unvollständig sein. Dieser Inhalt basiert auf langjährigen, intensiven Studien. Er muß sich nicht zwingend mit der Sichtweise der Scientology Kirche selbst decken.

Die Kritiker der Scientology lassen eines außer acht. Sie beschäftigen sich mit der Struktur einer Kirche ohne die Fuktionstüchtigkeit der Philosophie überhaupt zu berücksichtigen. Philosophie und Wortklauberei passen nicht zusammen. Einzelne Zitate Hubbards zu nehmen und sie für sich und aus dem Zusammenhang heraus zu zitieren dient zwar dem momentanen Zweck, dieser Sache und auch Hubbard selbst einen negativen Touch zu geben, vernachlässigt jedoch deren übergeordnete Idee. Scientology kam mit dem Wunsch zu helfen. Man schlägt teilweise auf alles, was sich unter dem Namen Scientology oder L.  Ron Hubbard bewegt oder damit in Verbindung gebracht werden kann. Die Frage, ob sich in dieser Philosophie nicht vielleicht doch ein Fünkchen Wahrheit befindet, wird größtenteils abgelehnt.

Für die Kenner und Praktizierenden dieser Philosophie ist es jedoch enorm, was Scientology zur eigenen Verbesserung und zum Überleben der Menschheit beitragen könnte, wenn sie richtig ausgeübt wird.

Kritik läßt sich, wie wir alle wissen, recht leicht üben. Man kann dabei immer nur das Schlechte herausstellen, womit jedoch keinem geholfen ist.

Man muß eine feine Grenze ziehen zwischen Scientology als "präzise Wissenschaft", wie Hubbard sie bezeichnet, und Hubbard's eigener Meinung. Es selbst legte sehr viel Wert auf diese Differenzierung. Man findet in seine Büchern, Vorträgen und sonstigen Schriften immer wieder Äußerungen über die Psychiatrie, die Regierung und über seine Kritiker. Und seine Schriften über Administration, Hubbard's Policies oder Richtlinien, die sich in der Organisation der Scientology Kirche niederschlagen, enthalten Anweisungen und Äußerungen, über die man sicherlich geteilter Meinung sein kann. Manche seiner Verwaltungsrichtlinien geben auch Anlaß zur Empörung. Die Anhänger Hubbard's in der Freien Zone betrachten seine Schriften hauptsächlich durch die "philosophische Brille".

Hier ein gekürztes Zitat Hubbard's aus einem Einführungsvortrag, den er 1952 in Philadelphia gehalten hat:

"Nun, ich bitte Sie nicht dieses Gebiet durch meine Augen zu betrachten. Es gibt hier zwei Gebiete über die ich sprechen werde,... eins ist "Scientology, eine präzise Wissenschaft..." Und dann gibt es Hubbard's Meinung über dieses Gebiet. Und Junge, ich habe wilde Meinungen. Sie sollten mich manchmal hören. Aber das ist eine andere Sache. Sie können sehr leicht feststellen, wenn ich in meine Ansicht äußere... Nehmen Sie es zur Unterhaltung, oder werten Sie es aus, oder schmeißen Sie es einfach weg. Es hat nicht wirklich etwas mit Scientology zu tun."

Die Philosophie

Eine Philosophie, grundsätzlich gesprochen, ist zunächst einmal in dem Maße wertvoll, wie man in der Praxis etwas mit ihr anfangen kann. Eine Philosophie, die man nicht nachvollziehen kann, tendiert dazu Sklaven zu schaffen, zwingt man sie den Menschen auf. Glaube tritt dann an die Stelle des Wissens.

Befaßt man sich mit scientologischen Philosophie näher, so kann festgestellt werden, daß sie nicht aus willkürlichen Einzelinformationen oder Dogmen besteht. Ihre einzelnen Bestandteile ergänzen sich, und das wichtigste, sie sind überprüfbar. Man kann damit arbeiten. Man kann sie selbst beobachten und erfahren.

Hubbard erkannte sehr früh, daß die Studenten der Scientology versuchten, aus ihm eine "Autorität" zu machen, ohne die Aussagen der Philosophie selbst kritisch zu untersuchen. Was Hubbard sagte, mußte einfach stimmen. In vielen Vorträgen und Büchern wies er wieder und wieder darauf hin, daß eine Aussage oder Behauptung, ungeachtet dessen, ob sie nun wissenschaftlicher oder philosophischer Natur ist, überprüft werden muß. Der Studierende soll sich mit seinem Fachgebiet auseinandersetzen, es hinterfragen. Er muß die aufgestellten Aussagen beobachten können. Es reicht nicht, daß ein Lehrer oder Professor ihre Existenz erklärt. Jeder Studierende muß für sich selbst herausfinden, ob die getroffene Aussage wahr ist, um sie somit zu seinem eigenen geistigen Eigentum zu machen.

Hubbard versuchte seinen Studenten klarzumachen, daß die Wichtigkeit einer Aussage nicht darin liegt, daß sie von einer Autorität aufgestellt wurde, sondern in ihrem eigenen Wert. Eine Information sei in dem Maße wertvoll, wie sie untersucht und ausgewertet werden kann.

Ein Datum, im Sinne einer Einzelinformation, kann vernunftgemäß nur eingeschätzt werden, wenn man es mit anderen Daten vergleicht. Größe und Wert einer Aussage lassen sich dann durch die Frage bestimmen, wieviele andere Informationen durch diese eine Aussage erklärt werden können. Somit wäre das größtmögliche Datum, oder die höchste Wahrheit diejenige, die alles Wissen des Menschen im materiellen Universum erklären und identifizieren könnte. Die Summe der Erkenntnisse aus Philosophie und Wissenschaft müßte eine solche "oberste Wahrheit" hervorbringen.

Hubbard redete in diesem Zusammenhang von induktiver und deduktiver Logik als Methoden des Denkens [1].

Die induktive Methode versucht durch ein einzelnes Datum Rückschlüsse auf alle anderen Daten zu ziehen, während in der deduktiven Denkweise durch die Gesamtheit der zu Verfügung stehenden Daten Rückschlüsse auf eine Einzelinformation abgeleitet werden. Beide Arten des Denkens sind Extreme und bringen nur im ausgewogenen Verhältnis, vernünftige Resultate hervor.

Es gibt in diesem Universum scheinbar nicht so etwas wie ein "oberstes Datum", oder eine "höchste Wahrheit", welche in der Lage wäre, alle anderen Daten zu erklären? Viele Philosophen haben sich bei der Suche nach dieser "einen" Wahrheit die Zähne ausgebissen. Viele von ihnen sind in Sackgassen gelandet und mußten diese Bestrebungen mit ihrer geistigen Gesundheit bezahlen.

Die Geschichte zeigt, daß der Mensch dazu tendiert, Informationen bis zu einem bestimmten Punkt auszuwerten um dann, wenn er an die momentane Grenze seines Wissens stößt, den Rest Gott, als das scheinbar "oberste Datum" zuzuschreiben. Man versuchte, alle Informationen mit Gott zu erklären und schaffte sich somit eine "oberste Wahrheit". Um diese "Wahrheit" jedoch in ein Verhältnis zu setzen und zu vergleichen und um eine Vorstellung von Gott haben zu können, mußte man den Teufel als eine "vergleichbarer Größe" heranziehen.

Hätten wir in unserer Wissenschaft und Philosophie etwas wie eine "oberste Wahrheit", eine Wahrheit, die alles andere erklärt, würde man auch fragen müssen, ob sich - rein theoretisch - durch die Erkenntnis dieser Wahrheit nicht unser gesamtes Universum auflösen würde. Eine absolute Wahrheit würde alle anderen Informationen in sich bergen. Diese Wahrheit würde in unseren Begriffen nicht überleben, weil sie es nicht nötig hätte, zu überleben. Sie brauchte ihre Überlebensfähigkeit nicht zu beweisen, denn es wäre unmöglich nicht zu überleben. Für diese Wahrheit gäbe es kein Umfeld in dem sie ihr Überleben demonstrieren müßte. Mit einer absoluten Wahrheit wäre ein "Spiel" unmöglich. Sie hätte einerseits keine Konkurrenz, mit der sie in einen Vergleich treten, und andererseits keine Bedrohung, die sie vom Überleben abhalten könnte.

Das Universum, in dem wir leben, scheint durch seine Gegensätze getragen zu werden. Die Liste von Dichotomien wie Plus - Minus, Überleben - Untergang, gut - böse, Gott - Teufel, um nur einige zu nennen, ist endlos. Das Leben an sich spielt sich offenbar irgendwo zwischen diesen Absoluta ab.

Würde sich nur einer diese Gegensätze dauerhaft durchsetzen, wäre es theoretisch das Ende.

Man sagt: "Wahrheit löst alles auf". Vielleicht ist das der Grund, warum die Wahrheit vermeintlich am wenigsten gewünscht ist? Oder ist sie etwas wie der "heilige Gral"? Ist sie das Machtinstrument? Herrscht derjenige, der diese Wahrheit kontrolliert über dieses Universum? Bei der Verwaltung einer Wahrheit haben die Menschen schon viele Enttäuschungen erlebt. Der Verlockung, bei dem Umgang mit einer solchen Wahrheit nicht in diktatorische Machtgelüste zu geraten, scheinen nicht viele gewachsen zu sein.

Hubbard hat im Laufe der Entwicklung von Dianetik und Scientology versucht eine, diesem Universum übergeordnete Wahrheit herauszukristallisieren. Er bezeichnete diese als ein "Statik". Dieses Statik habe weder Wellenlänge, Energie, Masse, noch eine Position in Raum und Zeit; sie habe jedoch die Fähigkeit zu kreieren und wahrzunehmen, worauf im Folgenden noch näher eingegangen wird [2]. Dieses "Statik" ist der Schöpfer von Universen.

Hubbard bezeichnet das Studium von Scientology als ein Studium des Lebens, wobei er Leben als eine Symbiose aus Materie und Geist bezeichnet.

Das mag zwar anmaßend klingen, denn das ist die Domäne von Wissenschaften wie Biologie, Chemie, Physik. Allerdings gibt es hier einen grundlegenden Unterschied. Die materiellen Wissenschaften studieren hauptsächlich Struktur. Sie vergleichen eine Information dieses Universums mit einer anderen Information dieses Universums und befinden sich in einer ähnlichen Situation wie der oft zitierte zweidimensionale Wurm, der irgendwann mit einer Stange kollidiert und somit die Erfahrung mit der dritten Dimension macht. Er kann diese nicht erklären, weil er selbst ja nur in zwei Dimensionen lebt.

Der amerikanische Wissenschaftler Brian O'Leary [3] beschreibt die Situation der Wissenschaften als ein Schubladendenken. Innerhalb dieser Schubladen liegt unser akzeptiertes, gesellschaftliches Denken, unsere gegenwärtige Wissenschaft, unsere offizielle Menschheitsgeschichte. Außerhalb dieser Schubladen liegen jedoch Dinge wie außerirdisches Leben, Prophezeiungen, Mind-over-Matter-Phänomene (Geist über Materie), Telepathie, Reinkarnation, um nur einige zu nennen.

Scientology befaßt sich, ungeachtet dieser wissenschaftlichen Schubladen, dagegen zunächst mit der Funktion. Die These, daß erst das völlige Begreifen einer Funktion, die Erklärung der Struktur ermöglicht, scheint sich hier zu bewahrheiten. Sämtliche Strukturen, sei es ein menschlicher Körper oder ein Atom sind Ausprägungen einer Funktion. Nach Hubbard ist Funktion ein Geschöpf des Gedanken, und Struktur ist letztlich eine Manifestation dieses Gedanken - Gedanke - Funktion - Struktur [4].

Wohin treibt das "Leben", wenn es hauptsächlich damit beschäftigt ist zu "überleben"? Jede Spezies in unserem Universum trachtet danach. Was ist die Motivation des Lebens? Wäre es nicht interessant, auf diese Fragen eine Antwort zu finden?

 

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Schach der Erde - Letzte Änderung: 23. März 2013 - www.freezone.de