Die Gegenwart
Vergleicht man die Medien in Deutschland mit Meldungen aus den USA, so wird deutlich,
daß in Amerika ein fast schon freundliches Verhältnis zur Scientology-Kirche besteht.
Diese Beobachtung stützt sich auf Meldungen großer Nachrichten-Agenturen wie Reuters,
AP, UPI etc. Hierbei kann auf einen Beobachtungszeitraum von etwa 2 Jahren
zurückgegriffen werden. Es wurden dabei die Nachrichten einbezogen, die im genannten
Beobachtungszeitraum über den sogenannten "Executive News Service" in
die CompuServe Mailbox eingestellt wurden.
Die Meldung vom 13.10.1993 ist wahrscheinlich die bedeutendste in der Geschichte der
CofS. Der Scientology-Kirche wurde vom IRS (Internal Revenue Service - amerikanische
Finanzbehörde) die Steuerbefreiung gewährt, und das nach einem knapp 40-jährigen
Streit. (Los Angeles Times, 13.10.1993)
Diese Steuerbefreiung kommt in Amerika einer Kirchenanerkennung gleich.
Eine weitere Meldung, erschienen am 30.10.93 in dem deutschen Magazin
Focus (Nr.
44), macht die künftig angestrebte Marschrichtung im globalen Umgang mit der
Scientology-Kirche deutlich. Zusammenfassung:
Scientologen als arme Verfolgte:
....Ein jetzt erschienener Menschenrechtsreport der amerikanischen KSZE-Kommission
dürfte auf dem diplomatischen Parkett für Furore sorgen... Unter dem Titel "Gewalt
gegen Ausländer" listet die US-Kommission in ihrem Bericht "Menschenrechte und
Demokratisierung im vereinigten Deutschland" nicht nur die Morde von Mölln und
Solingen sowie die Zahl rassistischeer Übergriffe auf, sondern auch die Ausladung eines
bekennenden Scientologen, des Musikers Chick Corea..... (Wurde aufgrund seiner
Zugehörigkeit zur Scientology-Kirche von der Leichtathletik-WM in Stuttgart, bei der
Corea ein Konzert geben sollte, wieder ausgeladen).
... Und so bewertet die amerikanische KSZE-Kommission unter Leitung von Senator
Dennis Deconcini (Arizona) diesen Vorgang:
"Es scheint klar, daß Deutschlands Vorgehen zum Ziel hat, extremistisch
empfundene Gruppen auszugrenzen oder auszumerzen.
..Diese Zielsetzung kann die Regierung, verständlich bei Deutschlands
Vergangenheit, zu Diskriminierungspolitik verführen."
...Anfang Oktober sollte das Papier auf einer KSZE-Vorkonferenz in Warschau als
offizielles Dokument der Vertragsstaaten verabschiedet werden.
Dieses Papier wurde auf Drängen der Deutschen Regierung zunächst wieder
zurückgezogen, soll aber bei der nächsten Sitzung in unveränderter Form als
"offizielle KSZE-Position" der Amerikaner eingebracht werden.
Die Scientology-Kirche scheint jetzt die amerikanische Regierung im Rücken zu haben.
In Deutschland dominiert die Angst vor einer möglichen Unterwanderung der Wirtschaft.
Auch der deutsche Verfassungsschutz spricht von einer angestrebten Weltherrschaft
der
Scientology-Kirche.
Im April 1991 berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" erstmals von
einem "Plan für die Ausweitung von Scientology auf das Geschäftsleben". Er
bezieht sich dabei auf die sogenannte "ED 1040" [17].
Suche Dir ein Geschäft aus, welches bereits sehr gut arbeitet.
Wende Dich an den höchsten Direktor und verbreite Scientology.
Lokalisiere SP's (Suppressive Person: jemand, der Scientology stört) in der
Organisation und wirf sie hinaus.
Auditiere die leitenden Angestellten und zeige ihnen, um was es sich handelt, das wird
dann den Zyklus in Gang setzen... die leitenden Angestellten werden die Jungmanager und
das andere Personal dazu drängen, Auditing zu nehmen. (Der Spiegel 1991, 1.4.)
Weitere Schlagzeilen und Zitate:
Wie sich ein Glaubens-Konzern in die Wirtschaft einschleicht. (Wirtschaftswoche 1991,
22.3.)
Über Tarnorgaisationen versucht die finanzstarke Scientology-Kirche in der deutschen
Wirtschaft Fuß zu fassen.... Der Scientology-"Konzern" sei nicht nur ein
getarntes Wirtschaftsunternehmen, sondern verfolge "verfassungswidrige Ziele"
mit strafrechtlich relevanten Methoden". Die Anhänger der Scientology Church haben
die "Clear - Deutschland - Kampagne" ausgerufen. Ihre Zielgruppe sind die Köpfe
der Wirtschaft." (Die Zeit 1991,5.4.)
Die Mitglieder der Scientology Sekte wurden mit einem in der deutschen Parteigeschichte
einmaligen Ausgrenzungsbeschluß aus der Union relegiert. Die Mitgliedschaft in der
Scientology-Church, beschloß der Dresdner Parteitag, ist mit der CDU-Mitgliedschaft
unvereinbar. (Der Spiegel 1992)
Sekte unterhält Geheimdienst Experten: Scientology-Kirche läßt Kritiker bespitzeln.
Ungewöhnliche Aktivitäten in Baden-Württemberg - Sektenexperten sprechen von
alarmierender Situation - Die Scientology-Kirche schaltet ihren Geheimdienst ein. Kritiker
werden beschattet und auch von Privatdetektiven ausgeforscht - Offenbar neue
Spitzelabteilung in Stuttgart. (Stuttgarter Nachrichten 1992,10.6.)
Tötung von Gegnern: Hubbard fordert in seinem Buch "Einführung in die Ethik der
Scientology" seine Anhänger auf, die "Machtpersonen" der SK zu
unterstützen, und führt fort: "Es kann sogar darin bestehen, daß einer seiner
Feinde in der Dunkelheit dumpf aufs Straßenpflaster klatscht oder das ganze feindliche
Lager als Geburtstagsgeschenk in riesigen Flammen aufgeht" (S. 270/27 1). (Aus dem
Gutachten des Bundesamtes für Verfassungsschutz vom November 1992 über die "Scientology
Church" (Stern 1993, 25.2.))
Das obige Zitat stammt im Original aus dem HCO Policy Brief vom 12.2.1967
"The
Responsibility of Leaders" (Die Verantwortlichkeit von Führern).
Hubbard bezieht sich dabei auf ein Buch über Simon Bolivar und Manuela Saenz. Er
analysiert deren Fehler in der Befreiung Südamerikas von der spanischen Herrschaft und
listet im letzten Abschnitt sieben Punkte auf, die Bolivar hätte beachten sollen.
Die Scientology-Kirche versah in dem neu zusammengestellten Buch diesen Abschnitt mit
der Überschrift "Macht-Formel für die Dritte Dynamik", [18] was jetzt dahingehend interpretiert
werden kann, daß die Scientology-Kirche diese Punkte zur eigenen Doktrin macht, und deren
Einhaltung auch von ihren Mitgliedern verlangt.
Man geht hier zunehmend auf eine "wörtliche" Auslegung von Hubbard's
Schriften und vernachlässigt somit das von ihm geforderte "begriffliche
Verstehen".
Es geht meiner Meinung auch eine Gefahr von den Kritikern selbst aus.
Die undifferenzierte Kritik gegen alles, was sich mit Scientology in Verbindung bringen
läßt, stärkt letzlich Scientology Kirche selbst. Vieles, was in der Kritikerszene von
Hubbard zitiert wird, ist aus dem Zusammenhang gerissen und zweckentfremdet wiedergegeben.
Vieles wird so ausgelegt, wie man es gerade braucht.
Solange man nicht differenziert und bereit ist eventuelle Wahrheiten in Betracht zu
ziehen, stärkt man die Scientology Kirche in ihren Machtbestrebungen, denn ihre
Mitglieder werden durch die, großenteils unqualifizierte Kritik von außen,
zusammengeschweißt.
Insgesamt ließe sich daraus ein neues Szenario ableiten:
Die Scientology-Kirche scheint, zumindest in Deutschland, alle Möglichkeiten
auszuschöpfen, um selbst in ein schlechtes Licht zu geraten. Sie erläßt Direktiven, die
kurze Zeit später in der Öffentlichkeit auftauchen und Protest auslösen.
Individuen wie Chick Corea, Gottfried Hellnwein und andere werden aufgrund ihrer
Weltanschauung, als Mitglieder der Scientology-Kirche angegriffen.
Einzele Scientologen werden in Parteien eingeschleust, oder sie sind tatsächlich
aufgrund ihrer Überzeugung Parteimitglieder. Sie werden von von den Parteien ausgegrenzt,
nachdem ihre Zugehörigkeit zur Scientology-Kirche bekannt wird.
Deutschland hat, aus der Vergangenheit heraus, einen sehr schlechten Ruf im Umgang mit
Minderheiten. Ein Staat, der Angriffe auf Individuen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu
einer bestimmten Weltanschauung unterstützt oder zuläßt, ist in der Weltöffentlichkeit
nicht gut angesehen.
Die Scientology-Kirche in Deutschland sieht sich als eine in Deutschland verfolgte
Minderheit und positioniert sich dementsprechend in den U.S.A.
Auf Kurz oder Lang kann die Deutsche Regierung somit zu einer Anerkennung der
Scientology-Kirche gezwungen werden, denn sie muß beweisen, daß es hier keine
Fortsetzung des Dritten Reiches gibt.
"Good News von FLAG"
(4. Mai 1994 - Werbebeilage der Scientology Kirche) - Zitat (Auszug):
Sprecher war Heber Jentzsch, President C.S.I.(Churches of Scientology International)
Hier einige Highlights seines Briefings:
Deutschland: Es wurde vor kurzem eine Kampagne gestartet, um die Diskriminierung
und Unterdrückung von Scientologen in Deutschland bekannt zu machen, indem schlechte PR
außerhalb Deutschlands kreiert wird und von außen verlangt wird, daß es gehandhabt
wird. In der Zeitschrift "Roll Call", die von Senatoren, vom Weißen Haus
und vielen anderen Regierungsmitgliedern gelesen wird, wurden Anzeigen über die
Geschehnisse in Deutschland veröffentlicht. Die Leser wurden dabei aufgefordert, an die
IAS (International Association of Scientologists) oder direkt an deutsche
Regierungsbehörden zu schreiben und zu protestieren.
Jetzt haben deutsche Regierungsmitglieder im Außenministerium in U.S.A. angerufen, um
sich über diese Anzeigen zu beschweren, da sie einen großen Effekt kreieren - was genau
unser Plan war!
Während der letzten Woche wurden etwa 2000 WIS-Bücher (Anm. "Was ist
Scientology") an deutsche Regierungsmitglieder, Meinungsführer etc. geschickt und
sie lesen das Buch und fragen bereits nach weiteren Daten und fangen tatsächlich an nach
Kooperation und Hilfe zu fragen. In Hamburg zum Beispiel wurde die Kirche von einem
Regierungsmitglied angerufen, der bei unserem Anti Drogen Programm mithelfen möchte.
Es kam auch eine Anzeige über Helmut Kohl, die zeigt, wie er ähnliche Taktiken wie
Hitler verwendet, um Scientologen Rechte zu entziehen.