Pressemitteilung
München den, 9. Juli 2000
Streit um den Domain-Namen "www.scientologie.org"
Aussteiger-Verein siegt im Streit "Scientologie" gegen "Scientology"
Die Scientology-Kirche hat in ihrem Bestreben, Kritiker zum
Schweigen zu bekommen, eine weitere Niederlage einstecken müssen. Vor der
Weltorganisation für Geistiges Eigentum (WIPO – World Intellectual Property
Organization) in Genf unterlag sie in einem Verfahren über die Rechte an der
Internet-Domain "www.scientologie.org" gegen den "Aussteiger-Verein"
"Freie Zone e.V."
Der Freie Zone e.V., ein in München eingetragener Verein,
erwarb 1995 die Exklusivrechte an dem 1934 erschienenen Buch des
deutsch-argentinischen Philosophen Dr. A. Nordenholz mit dem Titel "Scientologie
– Wissenschaft von der Beschaffenheit und Tauglichkeit des Wissens". Kurz
darauf sicherte er sich den Domain-Namen "scientologie.org". Nachdem das
"Religious Technology Center" (RTC), eine Organisation, in deren Händen
die weltweite Steuerung der Scientology-Kirche liegt, dagegen bei der
zuständigen Vergabestelle intervenierte, wurde die Domain zunächst für die
Nutzung gesperrt. Als im März 2000 die Sperre wieder aufgehoben werden sollte,
war das RTC gezwungen, ein förmliches Verfahren vor der WIPO in Gang zu setzen,
die seit Anfang des Jahres als außergerichtliche Schlichtungsstelle für
Streitigkeiten um die internationalen "com"-, "org"- und "net"-Domains
fungiert.
Das RTC stützte sich dabei auf die Markenrechte an dem Namen "Scientologie" und versuchte im Übrigen, den Freie Zone e.V. als "Untergrundorganisation"
darzustellen, der mit unlauteren Mitteln versuche, Internet-Nutzer in die Irre
zu führen. Der Freie Zone e.V. führte dagegen die Rechte an dem gleichnamigen
Buch an, dessen Autor im übrigen nichts mit L.Ron Hubbard, der Scientology in
den frühen 50er Jahren gründete, zu tun hat. Der Schlichter der WIPO folgte
der Argumentation des RTC nicht und kam zu dem Schluss, dass der Freie Zone e.V.
die streitige Domain zu lauteren Zwecken benutzt, nämlich der Förderung der
Bekanntheit des Buches und seines Autors, Dr. A. Nordenholz. Die Beschwerde
wurde nun per Beschluss vom 3.7.2000 zurückgewiesen und die Domain wieder dem
Freie Zone e.V. zugeteilt.
Der "Freie Zone e.V." ist ein Verein, der von
ehemaligen Mitgliedern der Scientology-Kirche gegründet wurde und als
Vereinsziel die Aufklärung über und Auseinandersetzung mit der Philosophie und
den Praktiken der Scientology hat. Wie der Vorsitzende, Bernd Lübeck aus
München, der vor langen Jahren selbst einmal Mitglied der Scientology-Kirche
war, erläutert, geht es seinem Verein nicht darum, eine "Abrechnung" mit
der Scientology-Kirche vorzunehmen. Vielmehr sei es ihm daran gelegen, die von
den meisten Scientology-Mitgliedern als positiv und förderlich erlebten
Techniken, die der Scientology-Gründer L. Ron Hubbard entwickelt hat, zu
erforschen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In diesem Rahmen sei
der Verein wegen einiger interessanter inhaltlicher Parallelen auch auf das
Nordenholz-Buch aufmerksam geworden und habe dieses durch eine Neuauflage der
Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.
Dabei grenzen sich der Verein und seine Mitglieder allerdings
aufs Schärfste von der Scientology-Kirche ab, deren Praktiken und Umgang mit
Mitgliedern "keineswegs so sind, wie es im Sinne von L. Ron Hubbard gewesen
wäre", sagt Lübeck. "Wir sind weiterhin an der Philosophie Hubbards
interessiert, wollen uns jedoch nicht der Diktatur der Scientology-Kirche
beugen." Auf den Internet-Seiten des Vereins, zu finden unter http://www.freezone.de, sind deswegen auch viele kritische Berichte von
Aussteigern zu finden. Die Scientology-Kirche versucht daher auch mit allen
Mitteln, den Verein und seinen Vorsitzenden in ein schlechtes Licht zu rücken
oder gar mundtot zu machen.
"Wir sehen das Urteil in der Domain-Sache als Ermutigung
dafür an, mit unserer Öffentlichkeitsarbeit fortzufahren", so Bernd
Lübeck zu der WIPO-Entscheidung.
Weitere Informationen sind im Internet zu finden unter: